Spitzenpolitikerinnen und -politiker im Gespräch
Meine schwerste Entscheidung
Veröffentlicht am 04.08.2026 / 05:50
Hendrik Wüst erzählt von einer Lebenskrise - in der sich vor die entscheidende Frage gestellt sah, wie es mit ihm weitergehen soll: 2010 starb sein Vater, seine Beziehung ging in die Brüche und auch als Politiker stand Wüst mit leeren Händen da: „Ich war politisch auf die Bretter gegangen, ich war als Generalsekretär zurückgetreten.“ In dieser persönlichen Stunde null trifft Wüst Entscheidungen, die ihn bis heute prägen. Allen voran der Entschluss, in seinem Heimatdorf im Münsterland zu leben – und mit sich selbst anders umzugehen: Er habe bis zu dieser Krise vor allem im Hamsterrad funktioniert, die eigene Glaubwürdigkeit streckenweise verloren und gar nicht mehr reflektiert, „dass man es im politischen Zirkus immer mit Menschen zu tun hat“.
„Ich bin heute mit mir sehr im Reinen“, sagt er im Gespräch mit Julia Emmrich und Jan Dörner. Ihm habe das als Mensch gutgetan – und er habe „ein feines Gespür dafür entwickelt“, ob jemand schon mal so eine Krise durchlebt habe – oder zu denen gehöre, „wo es immer schnurgeradeaus läuft“.
Wüst erzählt, wer ihm geholfen hat, einen neuen Weg einzuschlagen – und was er heute tut, um sich nicht wieder untreu zu werden. Zum Beispiel: Rennradfahren und „immer die gleiche Playlist“ hören. „Ganz viel Dire Straits, Queen, solche Sachen.“ Die Achtziger, findet Wüst, seien ein Goldenes Zeitalter der Popmusik gewesen, „besser als die 90er“.
Natürlich fragen ihn die beiden Hosts auch nach seinem Verhältnis zu Friedrich Merz. Immerhin gab es gerade erst wieder Berichte über Spekulationen in der CDU, wonach Wüst im Zuge eines „Kanzlertauschs“ Merz als Bundeskanzler ersetzen könnte. Wüst betont, das Kanzleramt sei „aktuell keine Option“ für ihn. Allerdings bekräftigt er eine frühere Aussage, dass er eine mögliche Kanzlerkandidatur zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausschließe: „Wenn man ein so großes Land regiert wie Nordrhein-Westfalen, in dem sich die Stärken und Herausforderungen Deutschlands in einer kleineren Variante eins zu eins widerspiegeln, dann sollte man nie ‚Nie, nie‘ sagen.“
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