Spitzenpolitikerinnen und -politiker im Gespräch
Meine schwerste Entscheidung
Veröffentlicht am 15.09.2026 / 06:00
Johannes Winkel ist exakt halb so alt wie Friedrich Merz und kommt aus derselben Ecke wie der Kanzler: Beide sind im Sauerland geboren – und kennen sich lange. Der Chef der Jungen Union schätzt an Merz die „positive Sturköpfigkeit“ der Westfalen – ist aber auch schon heftig mit ihm aneinandergeraten: Winkel gehörte im Herbst 2025 zu den jungen CDU-Politikern, die sich gegen das Rentenpaket der schwarz-roten Koalition stellten – und am Ende mit Nein gegen den eigenen Kanzler stimmten.
Im Gespräch mit Julia Emmrich und Jan Dörner zeichnet Winkel den Krimi jener Tage nach – und beschreibt die letzten Stunden vor der finalen Entscheidung. Wie groß war der Druck auf die jungen Abgeordneten? Und warum riskierte Winkel in seinem allerersten Jahr im Bundestag gleich eine handfeste Regierungskrise?
Winkel erzählt aber auch, wie es überhaupt dazu kam, dass er in die CDU eintrat – und nicht der Warnung seines Vaters folgte. Leicht fiel es ihm jedenfalls nicht. Ganz anders dagegen war es bei seinem Schritt, in eine katholische Studentenverbindung einzutreten – die ihm bis heute nützt.
Am Ende stellt Winkel seiner Partei eine bittere Diagnose: „Die großen Volksparteien, SPD und CDU, leben noch total in der Bonner Republik. Da sind Leute drin, die sind schon ewig dabei. Die sitzen in riesigen Parteizentralen, die gar nicht mehr die Zustimmung in der Bevölkerung repräsentieren - und gedanklich oft sehr eingemottet.“ Ab und zu, sagt Winkel, brauche eine Partei einen Generationenwechsel. „Eine Partei, die einfach immer so weiter macht, mit dem Argument ‚das haben wir schon immer so gemacht‘, die wird irgendwann sehr sicher untergehen.“
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